Gestern war ich in der Hauptstadt Texas', Austin. In dieser Stadt steht das größte Capitol des Landes. Das ursprüngliche Gebäude, aus rotem Granit gebaut, ist von der Grundfläche zwar kleiner als das Washingtoner Capitol, jedoch wurde es Unterirdisch so erweitert, daß es nun Flächenmäßig das Größte ist. Auch überragt es das Washingtoner Capitol in der Höhe um 14 Fuß, der Höhenrekord liegt jedoch bislang noch immer mit 34 Stockwerken in Baton Rouge. Der Innenraum des Capitols kann nahezu komplett besichtigt werden, was am Tag meines Besuches leider nicht möglich war, da sich in allen Gängen Heerscharen von Schulklassen herumtrieben und an allen sich anbietenden Plätzen in Chören sangen. Scheinbar handelte es sich hierbei um eine besondere Veranstaltung. Aus diesem Grund beinhaltete die Führung nur den Eingangsbereich und die Untergeschosse, welche die Tourleiterin (die redete wie ein Wasserfall) in unglaublichem Tempo 'abarbeitete'. Es bestand zwar die Möglichkeit auf eigene Faust weiter das Capitol zu erkunden aber inmitten von hunderten schreiender, singender und tobender Kinder war mit schon allein die Vorstellung zu streßig. Also ging ich lieber in die Stadt um davon etwas mitzukriegen. Die 'Gouverneurs Manison' fiel dabei leider aus, denn diese brannte 2008 aus und die Restaurationsarbeiten sind noch lange nicht abgeschlossen. Die Architektur der Downtown war zum Teil sehr interessant, aber ansonsten ähnelte die Hauptstadt jeder anderen amerikanischen Großstadt. In der 6th Street, welche wegen der vielen Bars das Vergnügungszentrum der Stadt ist, war um 15°° leider noch fast ausgestorben. Einige der Läden hatten schon geöffnet, aber die Aussicht, alleine in einer Bar für 500 Personen zu sitzen, fand ich nicht sonderlich spannend. Also ging ich über zum nächsten Ziel, dem 'Umlauf Sculpture Garden'. Dort waren Kunstwerke des Namensgebenden Künstlers Umlauf sowie einige wenige Skulpturen anderer Bildhauer zu sehen. Umlaufs Skulpturen waren so detaliert gearbeitet, daß sie teilweise fast lebendig zu sein schienen. Nun war es beinahe schon 17°°Uhr, aber in Austin befand sich leider nichts mehr, was mich interessiert hätte. Also setzte ich mich wieder ins Auto und begab mich auf den 1,5 stündigen Wge nach Fredericksburg. Die fahrt war eine angenehme Abwechslung, denn sie führte über wenig befahrene Highways, welche durch grünes, hügeliges Gelände führten. Auch waren die Highways nicht schnurgerade, sondern fügten sich den Gegebenheiten der Umgebung. Man kam an Wäldern, Farmen, Wildblumen und Kamelen!! vorbei, was mir einen Eindruck vom 'wahren Texas' vermittelte und meiner Vorstellung von freiem Land deutlich näher kam als die Städte. Dieser Eindruck verwunderte mich aber auch etwas, hatte ich mir Texas doch eher als staubige Wüstenlandschaft mit spärlichem Bewuchs und rollenden Büschen wie in den WildWest-Filmen vorgestellt. Hierbei handelte es sich aber mehr um eine grüne Wildnis. Als ich in Fredericksburg ankam, erfuhr ich die nächste, angenehme Überraschung. Diese Kleinstadt erweckte in mir nicht den Eindruck eines übergroßen Atobahnrasthofes, sondern wirklich wie eine Kleinstadt. Die Motels und Tankstellen verzichteten auf große, leuchtende Reklametafeln, die sonst wie Spinnweben über den Stadten hängenden Stromleitungen waren auf ein minimum begrenzt. Die Stadt versuchte scheinbar wirklich, sich nicht 'amerikanisieren' zu lassen, sondern ihren deutschen Charakter beizubehalten (manchmal auch etwas zu sehr). Denn Fredericksburg ist wie auch New Braunfels von deutschen Einwanderern gegründet worden. Nach der Zimmerbeziehung schaute ich mir noch etwas die Stadt an und stieß auf den 'Lindenbaum', ein Restaurant, welches authentische deutsche Küche verspricht. Es war keine Überraschung, daß ich wieder etwas enttäuscht wurde, da die Gerichte doch sehr von gewohntem abwichen. Mein Schweinebraten bestand aus 3 dünn geschnitten Scheiben ohne Kruste in einer dünnen Soße. Die Beilagen bestanden aus Blaukraut (welches mich angesichts der hohen Nelkenkonzentration an Weihnachten erinnerte) und 2 undefinierbaren Häufchen, von denen ich nicht wußte ob es mißlungene Kartoffelknödel oder verunglückte Semmelknödel handelte. Später erfuhr ich, daß es 'originaler bayrischer Kartoffelsalat' war. Ich würde ihn weniger als 'original', sondern mehr als 'originell' umschreiben. Was das ganze wiedereinmal rettete, war das gute Bier. Man muß aber bereit sein, für eine Flasche Franziskaner mit gerade einmal 384g Inhalt etwa 8$ zu bezahlen. Deshalb belies ich es bei einem. Morgen werde ich meine Erkundung der Stadt vortsetzten. to be continued....
Die letzten Tage besuchte ich verschiedene Orte in Texas. Der erste davon war Huntsville, welcher durch die Hinrichtungen bekannt wurde, die in Texas alle hier ausgeführt werden. Die Stadt interessierte mich nicht so besonders, das Prisoners Museum hingegen schon. Es ist schon erstaunlich, wie einfallsreich und kreativ die Insassen sein können. Neben den üblichen Messern und Tätowiermaschinen waren auch einige ganz besondere Teile dabei, welche zu Angriff- oder Verteidigungszwecken, zur Flucht oder einfach nur zum Zeitvertreib bestimmt waren. So fanden sich unter anderem Destillieraperate, Kunst, Pistolennachbauten aus Holz und sogar ein Propeller, den ein Gefangener geschnitzt hatte, da er mit einem selbstgebautem Flugzeug türmen wollte. Neben diesen Exponaten war auch eine Gefängniszelle nachgebaut worden, welche einen guten Eindruck der beklemmenden Enge des Knastalltages spürbar werden lies. Auch die Ausrüstung der Wachen der vergangenen 100 Jahre war in dem Museum vertreten. Mein nächster Stop war dann Houston. Da es Sonntag war, war die Stadt an sich beinahe wie ausgestorben. Zum glüch hatte das Art Car Museum geöffnet, welches zwar nur knapp 10 Ausstellungsstücke neben dutzenden Fotos zeigten, aber dennoch war es einen Besuch wert. Es wurde eine Drag-Harleydavidson gezeigt, welche schon etliche Rennen erfolgreich hinter sich gebracht hatte und ein 1961er Morris Minor (ein Kleinwagen), in welchen die Besitzer einen 350 inch² V8 Motor verpflanzt hatten. Diese beiden Fahrzeuge waren schon interessant, das wahre Highlight der Ausstellung befand sich aber in einem Carport vor dem Gebäude. Dort standen 2 richtige Artcars. Eines davon war komplett in Eigenregie gebaut worden und dessen gesammte Karosserie bestand aus etwa 2x6cm kleinen Metallplatten, welche so übereinandergelegt und punktgeschweißt waren, daß sich daraus eine phantasievolle Karosserie ergab, welche an die 1930/40er Jahre angelehnt war. Bemerkenswert ist, daß das Auto fahrbereit und angemeldet ist. Im Anschluß wollte ich das Space Center besuchen und quälte mich zu diesem Zweck durch den katastrophalen Houstoner Verkehr. Die strukturlose Verkehrsführung fand sogar in meinem Reiseführer erwähnung und ich konnte mich selbst davon überzeugen. Nach etwa 1.Stunde fahrt kam ich endlich an dem gesuchten Areal an und fand.....nichts! Das einzige, was an der Adresse zu sehen war, war ein großes, leeres Stück Wiese. Nachdem ich mich wieder zurückgekämpft hatte und ermattet ein Motel bezogen hatte, schaltete ich den Laptop ein um zu erfahren, was es mit der falschen Adresse auf sich hatte. Nach einer kurzen Suche fand ich den Grund: Wegen eines neuen Autobahnkreuzes, welches in unmittelbarer Nähe gebaut worden war (deshalb hatte mein Navi auch keine Ahnung, wo es war), war das ganze Center umgezogen. Nachdem ich das center online besucht hatte, stellte ich fest, daß es zu 85% mit Cape Canaveral identisch zu sein schien. So hatte ich zwar etwa 2 Stunden im Auto verschwendet, aber mir war wenigstens die Entteuschung gespare geblieben, alles schon zu kennen. Am nächsten Tag machte ich mich auf den Weg nach New Braunfeld, einer Stadt, welche etwa 1840 von deutschen Einwanderern gegründet worden war und dessen deutsche Wurzeln noch immer spürbar sein sollten. Als erstes nach meiner Ankunft ging ich in 'Omas Haus' um etwas zu essen. Ich bestellte ein Jägerschnitzel und ein dunkles Franziskaner Weißbier. Das Schnitzel war leider schon etwas 'amerikanisiert' worden und erinnerte nur noch an ein Echtes, aber das Weißbier war nach einem Monat amerikanischen Biers unglaublich gut. Ich mußte der Versuchung wiederstehen, mir noch 1 oder 2 zu bestellen. Zum Abschluß ließ ich mir noch ein Stück Schwarzwälder Kirsch bringen, welches mit dem Original nicht mehr allzuviel zu tun hatte. Der Teig war in Ordnung, aber der Rest war doch etwas abgewandete worden. Kirschen befanden sich nur obenauf zur Deko und die Sahne suchte man Vergebens. Stattdessen wurde die Torte mit einer extrem süßen Schokocreme ummantelt und mit Röschen aus Zuckerschaum garniert. Kirschschnapps war auch nicht vorhanden, da so etwas hier nicht in Gebäck verarbeitet werden darf. Nach diesem 'Experiment' ging ich los um die stadt zu erkunden. Vom deutschen Einfluß war schon etwas spürbar, wenn auch nicht so stark, wie ich es mir gedacht hatte. Es waren einige Steinhäuser und an Fachwerk angelehnte Häuser dabei, manche Straßennamen waren deutsch. Ich fand sogar einige Werbe-/Hinweisschilder in deutscher Sprache. Da sich die meisten Bewohner wegen der Hitze/Schwüle drinnen aufhielten, blib mir der Genuss von texanischem Deutsch bisher verwehrt, ausserdem würden hauptsächlich nur noch die Älteren deutsch sprechen können, wie mir die Kellnerin in Omas Haus sagte. Aber da sich noch mehrere Städte deutschen Ursprungs in texas befinden, werde ich es schon noch erleben.
So, jetzt gibts mal wieder bischen was zu lesen: in Dallas angekommen war ich zunächst überrascht, den die Stadt an sich ist nicht sooo groß wie man sie sich vorstellt. Wenn man jedoch die ganzen Randbezirke zum Gesamtbild hinzunimmt, relativiert sich der Eindruck jedoch wieder. Als erstes ging ich ins 'Old Red Museum' welches eine Touristeninformation beherbergt. Dort besorgte ich mir, wie schon so oft, eine Karte mit den Sehenswürdigkeiten der Stadt. Mein erstes Ziel der Karte war das 'Sixth Floor Museum'. Dieses befindet sich im, wie der Name schon sagt, im sechsten Stock des alten Schulbuchlagers. Dies ist der Ort, von welchem aus Harvey Lee Oswald John F. Kennedy erschossen hatte. In dem sehr guten Museum wird der Werdegang Kennedys, der Anschlag und die anschließenden Untersuchungen hervorragend dargestellt. Leider dürfen in dem Gebäude keinerlei Fotos gemacht werden, also auch nicht aus den Fenstern. Man sollte für das Museum, je nach dem wie genau man sich alles Ansieht zwischen 2 und 4 Stunden einplanen. Was ebenfalls sehr gut war, ist die Tatsache, daß die kostenlosen Audiotouren in mehreren Sprachen, unter anderem auch in Deutsch angeboten werden. Ich hatte nicht gedacht, daß das solange dauern würde, deshalb hatte ich nicht mehr soviel Zeit an diesem Tag wie ich mir vorgestellt hatte. Ich streifte noch ein wenig durch die Stadt, bis ich am Pioneer Plaza vorbeikam. An diesem Ort ist mit dutzenden lebensechten Skulpturen von Cowboys und Longhornrindern ein Viehtrieb dargestellt, welcher gerade einen Fluß überquert. Leider war es nun für weitere Museums- oder sonstige Besuche zu spät, denn die meisten Touristenattraktionen schließen um 17°°Uhr. Also suche ich mir einen Weg raus aus der Stadt, welcher selbst mit Navi stellenweise anstrengend war, da die Amerikaner sehr gerne mit Brücken, Unterführungen, mehrspurigen Abbiegestreifen und dergleichen bauen. So kann es durchaus sein, daß bis zu 6 verschiedene Straßen mit Brücken über- und untereinander herführen, welche mit weiteren Brücken miteinander verbunden sind. Wenn man sich in solch einem Knotenpunkt auf einer vierspurigen Straße befindet, auf welcher links und rechts überholt werden darf und permanent Autobahnauf- und Abfahrtenden Weg säumen und sich die Straße hin und wieder in 2 verschiedene Straßen aufteilt oder auch mit anderen 2-3 spurigen Highways vereint, ist das doch etwas mit Streß verbunden. Ich möchte wissen, wie die das früher ohne Navi geschaft haben, nach Hause zu finden. Nächsten Tag wollte ich mir das American Airlines Center ansehen. Als ich nach einer Irrfahrt auf der Suche nach einem Parkplatz endlich ankam, mußte ich leider feststellen, daß es leider nichts mit Flugzeugen oder ähnlichem zu tun hatte, sondern es sich nur um ein Basketballstadion handelte. da ich nun etwas gefrustet war, nicht das vorzufinden was ich dachte und keine Lust hatte, mich wieder in die katastrophale Verkehrsführung von Dallas zu begeben, fuhr ich in die benachbarte Stadt Fort Worth. Diese mittelgoße Stadt ist schön anzusehen. Der im Herzen der Stadt gelegene 'Sundance Sqaure' gab mir persönlich nicht so viel, aber wenn man schon mal hier ist, sollte man es gesehen haben. Also machte ich mich zu Fuß auf, den 'Stockyard Historic District' zu besuchen, was sich jedoch als Fehler herausstellte. dazu mußte man nämlich eine lange Rampe über den Fluß und in ein tiefergelegenes Gebiet überqueren. Nach 2/3 endete der Gehsteig und führte uber eine Treppe unter die Brücke. Dabei dachte ich mir noch nichts, denn ich hatte schon einen Weg neben der Brücke gesehen und dachte, daß die Treppe wohl zu diesem führt. Ich muß n doofes Gesicht gemacht haben, als ich in einem 20m² großen, verwuchertem, zugemülltem und eingezäunten Bereich unter der Brücke stand, aus dem es keinen Weg heraus gab, ausser den, auf welchem ich gekomen war. Wer baut eine Brücke mit Fusweg, der nach 2/3 der Strecke einfach im Nirgendwo endet? Also ging ich zurück (was blieb mir denn übrig), setzte mich ins Auto und fuhr zuerst in den 'Cultural District', denn lt. Reiseführer sollte dort eines der herrausragendsten Museen der USA stehen. Scheinbar bezogen sie sich auf das Gebäude selbst, denn die Ausstellung an sich fand ich nicht so prickelnd. Über die Straße befand sich das Modern Arts Museum, welches unter anderem gerade eine Ausstellung von Andy Warhols letzter Dekade zeigte. da ich schon länger ein Fan seiner Bilder bin, mußte ich die Gelegenheit natürlich warnehmen und kam zur Erkenntnis, daß ich Ihn als Künstler überschätzt hatte. Die meisten Bilder sind nur 'angemalte Kopien' von Fotos (Marilyn Monroe...) und die Bilder, die er ohne Vorlagen und ohne Zusammenarbeit mit anderen Künstlern geschaffen hat, sind in meinen Augen geschmiere. Aber die Ausstellungsstücke der anderen Künstler waren teilweise überragend. Nachdem ich das Museum verlassen hatte, machte ich mich auf den Weg richtung des Stockyard Historic District, diesmal mit dem Auto. da es schon spät war, suchte ich nur einen guten Parkplatz und speicherte Ihn im Navi ab, um am nächsten Tag nicht lange suchen zu müssen. Als ich am nächsten Tag in diesem Viertel ankam, stellte sich meine Entscheidung als goldrichtig heraus, den heute war eine art Volksfest im Gange, bei dem viele Beteiligte in Kostümen herumliefen, mit alten Kanonen schossen (was jedesmal ein Alarmanlagen-Konzert der in etwa 30m entfernt geparkten Autos zur folge hatte), Indianer (zum Glück erfolglos) Regentänze aufführten, Longhornrinderdurch die Straße getrieben wurden und sonstige Aktivitäten vorführten. Nachdem ich dieses Spektakel mehrere Stunden verfolgt hatte, stand mir der Sinn nach etwas Ruhigerem. So fiel meine Wahl auf das 'Vintage Flying Museum', welches etwas ausserhalb lag. In diesem Museum befanden sich zwar nicht allzu viele Flugzeuge, jedoch konnte der Führer auf ganzer Linie überzeugen, da er viel Informationen aus erster Hand bieten konnte, da er und sein Vater ihr ganzes Leben mit Flugzeugen zu tun hatten. Da ich vollauf beschäftigt damit war, mir die Flugzeuge und Flugzeugteile anzusehen und den Erzählungen des Mitarbeiters zu folgen, übersah ich es völlig, Fotos zu schießen. Aber was solls, muß ich eben versuchen, die Eindrücke in meiner maroden Birne zu speichern. So, das wars mal wieder, man sieht sich
So, jetzt gibts mal wieder n paar Updates. Gestern besuchte ich Lafayette, hauptsächlich wegen den Acadiern. Acadier sind Französischstämmige Amerikaner, welche sich in Louisiana angesiedelt hatten. Ihr 'Paradies' wurde später von den Briten fast vollständig zerstört, bzw unter britische Herrschaft gezwungen, der Geist, der von den wenigen freien Überlebenden weitergegeben wurde, lebt jedoch bis heute. Viele Namen, Orte und nicht zuletzt die Sprache zeugen von der Vergangenheit. So sind bis heute in diesem Teil des Landes Beschreibungen, Speisekarten und ähnliches zweisprachig (englisch & französisch) geschrieben. Mein mir wichtigstes Ziel war, den letzten Enttäuschungen zum Trotz, ein Dorf aus alten Gebäuden, welche aus allen Ecken Acadiens zusammengetragen wurden. Es war sehr schön anzusehen, wenn man sich die amerikanischen Ungenauigkeiten nicht zu sehr zu Herzen nimmt. Die Häuser waren allesammt gut vor dem Verfall bewahrt worden. Modrige Bretter waren größtenteils durch übriges Altholz oder 'künstlich gealtertem' Holz ersetzt worden. Negativ waren nur die Blechdächer, welche durch ihren verzinnten Glanz nicht autentisch wirken wollten. Manche waren in Brauntönen gestrichen, aber das hätte man eleganter lösen können. Hier wurde 'schnell, einfach und haltbar' eindeutig vor 'historisch richtig' gestellt. Auch die Neigung, alles was alt ist auch als 'historisch wertvoll' verkaufen zu wollen, setzte sich leider hier und da durch. Ich zumindest kann mir nicht vorstellen, daß 1840, als einige der Gebäude schon standen, Pepsi in Glasflaschen (ich würde die Flasche etwa auf 1950 - 1960 datieren) verkauft und konsumiert worden ist, wie einem eines der Häuser scheinbar glauben machen wollte. Nach dem Freilichtmuseum fuhr ich in die Stadt um mir auch selbige anzusehen. Es handelte sich dabei um eine gemütliche Kleinstadt, in welcher alle ohne Hektik ihren beschäftigungen nachgehen. Die 'City' hatte kleine Café's, Bars und Friseursalons, wie sie nahezu überall in der Welt zu finden waren. Nach einem kleinen Bummel durch die Geschäfte gönnte ich mir einen Burger. Vollgefressen und faul suchte ich mir ein schönes Plätzchen um mir die Sonne auf den Bauch scheinen zu lassen. So gestärkt und ausgeruht fuhr ich dann wieder etwa 200-250km ins Landesinnere nach Natchez, da mir die freundliche Verkäuferin des Souveniershops des Acadierdorfes geraten hatte, diese Stadt nicht zu versäumen. Bei Natchez handelt es sich ebenfalls um eine gemütliche Kleinstadt, jedoch mit ganz anderm Charme. Hier stehen weitaus mehr alleinstehende alte Villen und Häuser in der Innenstadt als in Lafayette, welches doch größtenteils aus Häuserketten besteht. Im Besucherzentrum holte ich mir eine Karte, in welcher die beste Route durch die Straßen eingezeichnet war. Das erste alte Gemäuer in der Liste war 'Rosalie', der Wohnsitz eines reichen Plantagenbesitzers. Haus und garten waren sehr gut erhalten bzw. restauriert worden. Der Blick von der Terrasse im ersten Stock erinnerte mich an Zuhause, denn von dort aus war der Mississippi zu sehen, welcher an dieser Stelle einen Bogen fließt. Der Inn ist zwar bei weitem nicht so mächtig aber mir dem üppigen Baumbestand am Ufer des Mississippi war, zumindest für mich, eine gewisse ähnlichkeit vorhanden. Das nächste Haus war die 'Stanton Hall', in welcher leider keine Fotos geschossen werden durften. Von den palastähnlichen Räumlichkeiten hatte der Eigentümer Frederick Stanton, ein irischer Einwanderer welcher mit Baumwolle sein Glück gemacht hatte, jedoch nicht viel. Etwa 9 Monate nach Fertigstellung des Anwesens Ende 1856 verstarb er. Die letzte Rechnung seines Bauleiters von etwas über 85.000$ konnte Er selbst nicht mehr begleichen und ging an die Erben weiter. Als die Führung zuende war, setzte ich meinen Marsch durch die Stadt fort, welcher mich an die Steilküste des Mississippi brachte. Über eine schmale, einspurige Straße gelangte man ans Ufer hinunter an welcher ein alter Raddampfer dauerhaft festgemacht hatte und nun als Kasino diente. Ich hatte ja keine Ahnung, daß es in Louisiana und Mississippi derart viele Kasinos gibt. Man findet sie sogar in an den Interstates und Highways gelegenen Provinznestern. Wieder am Auto angekommen suchte ich mir als nächstes Ziel das 'Grand Village' der Natchez Indianer aus, welches etwas ausserhalb der Stadt lag. Leider war es fast wie mit dem Fort Knox 2, denn es handelte sich wieder nur um eine Wiese mit Tafeln. Zumindest befanden sich auf dem Gelände zwei Zeremonienhügel der Indianer sowie eine Replika eines Ihrer dauerhaften Behausungen. Die Replika war nur leider schon etwas Baufällig, trotz der historisch nicht korrekten Baumaterialien wie Stahlbeton. So suchte ich mir mein nächstes Reiseziel auf der Karte, das knapp 3 Stunden entfernte Shreveport, welches lt. Reiseführers "trotz seiner rasanten Veränderung seine freundliche Atmosphäre erhalten hat". Es waren keine Bilder im Buch, jetzt weis ich auch warum. Nachdem ich das im Navi eingegebene Stadtzentrum erreicht hatte, stand ich auf dem Parkplatz einer Tankstelle, welche nebenbei als Poststation diente und Feuerwerk verkauft. Kurz gesagt, ich schreibe jetzt aus einem Motel etwa 2 Stunden vor Dallas/Texas. 50m weiter von dieser Tankstelle hätten Goldstücke auf der Straße liegen können, aber für mich hatte sie den Reiz verlohren. Deshalb fuhr ich nach der Zeit die es braucht, ein Navi neu zu programmieren, wieder weiter.
Heute hat mich mein Reiseführer mal wieder im Stich gelassen. Dies ist schon öfter gewesen, aber heute hat es mich zum ersten mal gestört. Ich fuhr extra in Baton Rouge in die St.Josephs Street Ecke America Street, da dort lt. dem Reiseführer ein Informationsstand sein sollte. Als ich dort ankam, stellte sich jedoch heraus, daß es sich nur um eine Wohngegend ohne irgendwelchen touristischen Informationsständen. Also schulterte ich meinen Rucksack und folgte der Karte meines vertrauensunwürdigen Reiseführers in Richtung Riverwalk. Zumindest die Karte stimmte, so fand ich den richtigen Weg ohne weitere Zwischenfälle. Am Fluß angekommen stach mir sofort ein altes Kriegsschiff ins Auge (bevor dumme Kommentare kommen -> nicht wörtlich!). Hierbei handelte es sich um die USS Kidd, welches nun komplett restauriert als begeh- und erlebbares Denkmal am Ufer vor Anker liegt. Dem zugehörig ist in Ufernähe auch ein Museum errichtet, welches weitere Informationen über das Schiff und dessen Einsätze liefert. Für nur 8$ war beides zu besichtigen und da die warscheinlichkeit ein solches Schiff je wieder zu betreten äusserst gering ist, lies ich es mir natürlich nicht entgehen. Auf dem Schiff konnte man fast jeden Raum zumindest einsehen, die Hälfte auch betreten, bzw durchqueren. Es ist gut restauriert, man könnte fast meinen, es sollte nächste Woche wieder in See stechen. Es wurde aber auch viel in seinem Urzustand belassen, bzw nur soweit wie nötig wieder hergerichtet, daß es nicht neu oder gar steril wirkt. Und soviel sei gesagt: Die Besatzung lebte nicht besonders komfortabel. Alles ist sehr eng, niedrig und die Treppen/Leitern sind auch sehr steil. Wenn ich auf dem Schiff gedient hätte, hätte mein Einsatz vermutlich nur 1-2 Wochen gedauert, da ich spätestens dann mit Schädelbasisbruch oder ähnlichem ins Lazarett geflogen werden müsste. Etwa nur 300m weiter lag ein alter Raddampfer an einem Extrapier. In der Hoffnung, es handelt sich auch um eine Art Museum ging ich darauf zu. Es kam mir schon seltsam vor, daß auf dem Pier ein Drehkreuz mit Wachhäuschen stand. Als ich näher kam, kam mir aus dem Wachhäuschen gleich eine Security entgegen welche meinen Ausweis sehen wollte. Auf meine Frage, warum er meine ID sehen wollte, erfuhr ich, daß es sich bei dem Schiff um ein Kasino handelte und jeder der jünger als 35 aussehe müste deinen Ausweis vorzeigen. Da ich keine Neigungen zu Slotmachines oder ähnlichem habe und noch weniger interesse hege, meine Reisekasse zu verspielen, bedankte ich mich für die Info und kehrte zum Museum der USS Kidd zurück. Dort besorgte ich mir eine Karte der Stadt und suchte mir ein paar Sehenswürdigkeiten wie das Old Louisiana State Capitol, das Louisiana State Capitol, den Main Street Market und das Old Gouvernors Mansion heraus, welche ich auch in der Reihenfolge besuchte. Das Old Louisiana State Capitol ist ein sehr luxuriöser gothischer Bau, welcher beinahe wie eine Mischung aus einem eurupäischen Schloß und einer Kirche wirkt. Alles an diesem Gebäude ist verziert, selbst Nebensächlichkeiten wie Türschaniere. Anschließend machte ich mich auf den Weg zum Louisiana State Capitol, welches 1929 erbaut wurde und mit seinen 34 Stockwerken bis heute das höchste Capitol der USA ist. Im 27. stock ist eine Aussichtsplattform für Touristen, welche einen sehr guten Ausblick über die ganze Stadt ermöglicht. Ironisch an dem Capitol ist, daß Huey Long, der das Gebäude durchgesetzt hat, im Jahr der Fertigstellung in eben diesem Capitol erschossen wurde. Huey Long war eine sehr strittige Person. Einerseits Baute er Straßen und Brücken und half Bedürftigen wieder auf die Beine. Andererseits machte er seine eigenen Gesetze und tat alles was nötig war, um zu bekommen, was er wollte. So gesehen war es kein Wunder, daß er sich Feinde machte und dafür mit seinem Leben bezahlte. Der Main Street Market, zudem ich als nächstes ging, war etwas ganz anderes als ich mir Vorgestellt hatte. Hierbei handelte es sich nicht um eine Art Bauernmarkt oder einen Ort an dem billige Batterien, schrottige Taschenmesser und alte Armeeklamotten verkauft wurden, sondern um das Erdgeschoß eines Bankgebäudes in dem verschiedene Stände Mittagessen sowie Kaffee und Gebäck verkauften. genau genommen war es eine Art Kantine. Da es bereits 15°°Uhr war und ich noch immer nichts gegessen hatte, nahm ich die Gelegenheit war und suchte mir bei einem Asiaten einige Sachen aus. Mit der Aussage, daß ich heute sowieso der letzte Kunde sei, wurde mir die Styroporbox bis Anschlag mit Köstlichkeiten gefüllt. Mir wurden auch noch dreingaben wie Frühlingsrollen mitgegeben und das ganze sogar günstiger als zum regulären Preis. So gestärkt machte ich mich auf, die Old Gouvernors Manison zu besichtigen. Leider war das Haus bewohnt und somit nur von der Straße aus zu besichtigen. Durch die so gesparte zeit konnte ich mir noch ein weiteres Ziel aussuchen und entschloß mich für das LSU Rural Life Museum, welches etwas ausserhalb der Stadt gelegen anhand von zu einem Dorf arrangierten alten Häusern das Leben der normalen Bevölkerung darstellte. Als ich über Straßen, welche mein Navi nicht kannte, endlich dort ankam, stand ich in einem neuen Blechhaus, in welchem das Museum startete. Nach wenigen Metern stand man in einer großen Halle, in welcher man sich, mangels Ausstellungsstücken, etwas verlohren fühlte. Das Museun führte jedoch weiter duch eine Glastür in eine weitere, etwas kleinere Halle welche aufgrund sehr vieler Exponate beinahe zu platzen schien. Hauptbestandteile dieser Halle waren alte Kutschen, welche so dicht an dicht standen, daß man kaum erkannte, wo eine aufhörte und die nächste anfing. Links und rechts dieser Halle befanden sich weitere Anbauten, welche wenig an ein Museum erinnerten sondern mehr wie ein unaufgeräumter Dachboden wirkten, in welchen der Besitzer alles verstaute, von dem er sich nicht trennen konnte. Dort fanden sich zB. 7 alte Singer Nähmaschienen, Schiffsglocken, interessante Treibholzformen (welche jedoch nichts mit dem Thema des Museums gemein hatten), Schiffsmodelle welche aus Platzmangel übereinander gestapelt waren, altes kaputtes Kinderspielzeug, Funktionsuntüchtige Werkzeuge und Machinen und noch mehr Treibholz, welches wegen Platzmangel so an andere (zum Teil restaurierte und interessante) Gegenstände gelehnt war, daß man diese kaum noch sehen konnte. Nach diesem ernüchterndem Ausflug in vergangene Zeiten begab ich mich in den Aussenbereich. Die historischen Holzhäuser verschiedenster Bereiche waren gut angeordnet, daß der Eindruck eines echten Dorfes entstand. Der alte 'Tante-Emma-Laden' und das Postamt waren auch noch ganz ansprechend. Als ich dann weiter in das Dorf vordrang, verflüchtigte sich der Eindruck, mich in einem amerikanischen 'Ameranger Bauernhausmuseum' zu befinden sehr schnell. Die gebäude wurden einfach von ihren ursprünglichen Standorten einfach hierher transportiert, abgestellt und ohne weitere Instandsetzung sich selbst überlassen. In einigen befand sich zwar eine spärliche Einrichtung, aber selbst ich erkannte, daß die Gegenstände altersmäßig nicht zueinander und teilweise noch weniger zu den Gebäuden passten. Stellenweise handelte es sich um Unterschiede von sicherlich 50-100 Jahren. Aber dabei handelte es sich gerade einmal um die Spitze des Eisberges. Eines der Häuser wurde mir von der Frau, welche die Eintritte kassierte, wegen des schönen Gartens extra empfohlen. Als ich an dem etwas abgelegenen Haus ankam und den Garten sah, mußte ich schon etwas lachen. Der 'Garten' war nur ein, mit einem alten Zaun vom Rest des Feldes abgetrenntes, Stück Wiese mit Wilden Blumen, wie sie überall wuchsen. Aber das Beste war das Haus selbst. Es wurde nicht ordentlich aufgestellt und stand schief in der Landschaft. Auch wurde es nicht fertig zusammengebaut, wie man an dem an dem inseitig gelagertem Baumaterial erkennen konnte. Und das Haus mußte schon eine Weile so herumstehen, denn in der unfertigen Aussenwand, der die Holzverkleidung fehlte, hatte sich bereits eine große Kolonie Hummeln ihre Höhlen in die Lehmfüllung gegraben und die einzige Maßnahme welche die Angestellten unternommen hatten, war ein gelbes Absperrband. andere Häuser wirkten zwar von Aussen gut, wurden aber ebensowenig instandgesetzt, sondern vielmehr als Abstellkammern für 'historisches Gerümpel' benutzt. Andere Gebäude wurden zwar mit Möbeln ausgestattet, aber diese befanden sich auch fast alle in einem traurigen Zustand. Sie waren nicht historisch, sondern eher einfach alte, abgeriffene und dreckige/staubige Teile, welche in Deutschland eine neue Bestimmung im nächstgelegenen Heizkraftwerk angetreten hätten. Die meisten der Gebäude waren zudem nur unzureichend Beschriftet, wie z.B. das 'Shootgun House'. Warum es so hies, wann und warum es damals gebaut wurde, wurde nirgends erklärt. Falls rein zufällig einmal nähere Erklärungen verfügbar waren, wurden sie inteligenterweise mit einem weißen, nicht wetterfestem Stilt auf Holz geschrieben. Das Ergebnis habe ich auf dem Foto links festgehalten. Ein weiteres Highlight des Museums war dann noch die Karte, welche man mir mitgegeben hatte. Der Maßstab stimmte nicht einmal ansatzweise, viele der Gebäude standen nicht mehr dort, wo sie verzeichnet waren und belanglose Kleinigkeiten wie Tümpel und Bäche waren teilweise garnicht verzeichnet. Als Fazit kann ich sagen: 95% der Möglichkeiten, die das Museum zu bieten hat, wurden verschenkt. Man könnte etwas daraus machen, aber das würde großen Zeit- und Finanziellen Aufwand bedeuten. Sollte Irgendjemand in den nächsten Jahren die Gelegenheit haben, dieses Museum zu besuchen, soll Er oder Sie mich benachrichtigen, ob sich mittlerweile etwas gebessert hat, oder ob es noch genauso oder gar schlimmer geworden ist.